Meine 1. Hausgeburt

Guten Morgen,

heute ist ein historischer Tag, denn er wird in die Geschichte eingehen. Jedenfalls für mich, in meine Geschichte. Eigentlich ist bereits ein anderer Tag in die Geschichte eingegangen und heute werde ich euch über diesen Tag berichten.

Ganz lange (so lange, wie auch dieser Blogpost wird) habe ich darauf hingearbeitet, mir vorgestellt, wie es sein könnte, hätte ich endlich die Chance, mir diesen Traum zu erfüllen. Von vielen Menschen in meiner Umgebung kam ein erschrecktes Gesicht zu Tage, ja gar etwas .. Entsetzt? Verschreckt? Fassungs- und verständnislos?

Wie ihr euch denken könnt, geht es hier um die fotografische Begleitung einer Geburt. „Warum sollte man denn eine Geburt fotografieren? Das sieht doch furchtbar aus! Ich möchte aber keinen Einblick zwischen die Beine einer Fremden bekommen. Und überhaupt – das geht doch nicht.“ So oder so ähnlich waren die Reaktionen. Von Frauen, Männern und ja, auch von Schwangeren & Müttern. Ich kann das verstehen! Wenn man lediglich Bildmaterial amerikanischer Filme kennt, in denen eine Geburt einem Todesurteil der Frau gleicht, die rechts und links von Ärzten festgehalten und angeschrien wird und die ebenfalls schreit, als würde sie am lebendigen Leib gehäutet werden, die Augen voller Panik und Angst, nur um danach auf Intensivstation „nur knapp dem Leben entkommen“ zu sein, dann, ja dann, hätte auch ich mit Entsetzen darauf reagiert.

Muss eine Geburt denn überhaupt so laufen? Ist dieses Bild der Geburt, das wir von Kind auf über die Medien propagiert bekommen, denn überhaupt richtig, ist es real? Gleicht eine Geburt automatisch einem Spiel um Leben und Tod? Natürlich tut es das, in gewisser Weise. Es ist natürlich kein Leichtes, kein Kinderspiel und es ist gewiss kein Vorgang, den man als „absolut vorhersehbar und risikolos“ bezeichnen kann. Was da passiert, darauf haben wir keinen Einfluss. Aber haben wir nicht einen Einfluss auf das „Wie“? Können wir nicht wählen (noch!) zwischen steriler Krankenhausatmosphäre und vertrauter Umgebung im Kreise der Liebsten? Mir ist bewusst, dass jeder für sich die richtige Entscheidung trifft und dass die getroffene Entscheidung eine ist, die lange gereift ist. Jede Entscheidung, die ihr trefft, ist richtig, es gibt kein „Falsch“. Richtig ist, was sich richtig anfühlt.

Ich durfte eine Geburt begleiten, bei der sich Anna und Max (* Namen geändert) zu Hause am Wohlsten fühlten und sich daher für eine Hausgeburt  im engsten Kreis entschieden. Außer den beiden waren lediglich zwei Hebammen und meine Wenigkeit vor Ort. Oh, und deren Katze natürlich.

Vorab möchte ich euch noch erzählen, wie alles zustande kam.

Schon 2014  hatte ich Flyer und Plakate herumgereicht, in denen ich nach Hausgeburten suchte. Erfolglos. Letztes Jahr, nach ganzen zwei Jahren also, als ich wieder einmal an einem Flyer saß, in dem ich nach Hausgeburten suchte und es eigentlich schon aufgegeben hatte, an diesem Tag, als ich mit meiner lieben Freundin Verena wieder das Thema hatte und sie mich bestärkte, einfach dran zu bleiben, genau an diesem Tag, in dieser Sekunde, als ich an dem Flyer saß, ploppte mein Emailfach auf und mir fiel die Kinnlade runter, als ich den Betreff „Geburtsbegleitung“ las. Ich dachte, ich spinne! Es war wirklich eine Anfrage für eine Geburtsbegleitung. Mal ehrlich, Leute – da soll nochmal einer sagen, man hätte keinen Einfluss!

Lange Rede, kurzer Sinn: ich besuchte die beiden in ihrem Zuhause, wir hatten ein tolles erstes Date im Bett (aus gesundheitlichen Gründen ;)) und es war beschlossene Sache: Ich war an Bord! Leute, ich kann euch gar nicht sagen, auf welcher Höhe ich nach Hause geschwebt bin. Es passt einfach. Ich fühlte mich dort gleich willkommen und verstand mich mit den beiden super, als würde man sich schon ewig kennen.

Dann, am 6. Dezember, ging es langsam los und ich durfte abends dazustoßen. Es war eine so schöne Atmosphäre! Der gemütliche Altbau mit knarzenden Dielen, Kerzenflackern, das das einzige Licht bot – herrlich. Es war absolut ruhig, still, entspannt. Die beiden so zu sehen, so nah, so beieinander, so vertraut, wie sie das meisterten mit einer Ruhe und einem Vertrauen darauf, dass alles kommt, wie es kommt, hat mich sprachlos und die Tage danach noch sehr nachdenklich gemacht. Als der kleine Emil kam, war alles perfekt.

 

Ich möchte mich aus tiefstem Herzen bei euch bedanken. Für euer Vertrauen, für eure Herzlichkeit. Dafür, dass ihr mich als Fremde in euren innersten Kreis gelassen und freie Hand gewährt habt. Ich durfte mit dabei sein, wie etwas Wunderbares geschah. Ich durfte Teil sein von etwas, was viele viele Menschen nicht sein werden. Und dass ihr das zugelassen habt, macht mich glücklich, demütig unheimlich stolz. Ich danke euch!

Willkommen auf der Welt, Emil! <3

 

Schreibmir Share onFacebook Tweet toTwitter Pin topinterest subscribeby email